Kulturverein Blaues Fenster - Wagrain
  • Kulturverein Blaues Fenster in Wagrain - Geschichte

Ortsgeschichte Wagrains

Der Ortsname leitet sich, wie Matthias Schönberger in seiner Chronik vermerkt, vermutlich aus der Zusammensetzung zweier Begriffe her: „Wag“ oder „Vag“ für Wasser und „Rain“ für Abhang, Ufer, Böschung. Wagrain bedeutet demnach also „Abhang am Wasser“. Andere bringen den Namen mit den zwei römischen Wachtürmen in Verbindung, die einst im Ort standen
(Wagrain = Wachrain).

Die Frühgeschichte von Wagrain ist noch unerforscht. Unter römischer Herrschaft wurde das keltische Noricum infrastrukturell erschlossen und die alten Saumpfade ausgebaut. So führte eine Römerstraße vom Süden (Kärnten, Katschberg) über Altenmarkt nach Pfarrwerfen ins Salzachtal. Eine Abzweigung zog von Altenmarkt über Reitdorf, Genigau, Lackenkapelle und Ginau zur Straße durch das Salzachtal. Wachtürme sorgten dabei für Sicherheit. Im Gebiet des heutigen Wagrain standen zwei: Einer dürfte noch heute das Fundament des Turms der Pfarrkirche bilden, der andere erhob sich auf dem Burghügel.

Nach dem Fall des Weströmischen Reichs war die Region den wiederholten Einfällen der Slawen ausgesetzt. Nach einer wechselvollen Übergangszeit kam das heutige Salzburg unter agilolfingische Herrschaft und später zum Frankenreich. Durch die Bemühungen des heiligen Ruperts und seinen Gefolgsleuten begann im frühen 8. Jahrhundert die Christianisierung des Landes. Da der Salzburger Bischof zugleich Landesfürst war, setzte sich das Lehenswesen durch. Ältester bekannter Lehensträger des Gebiets „zwischen den Arlflüssen“ war der von Erzbischof Adalbert (923-935) eingesetzte Luitfried.

Kulturverein  Blaues Fenster, Wagrain
Ein Mensch kann nicht ueberall daheim sein,
zu Hause wohl, aber nicht daheim.

    Im 12. und 13. Jahrhundert wurden die Herren von Goldegg Lehensträger und Eigentümer der Hofmark Wagrain. Sie gelten auch als Erbauer der Burg, die bereits 1322/1323 zerstört und danach nicht mehr aufgebaut wurde. Urkundliche Erwähnung fand Wagrain erstmals 1234 im Salzburger Ortsnamen-buch. 16 Jahre später scheint auch die Kirche in den Quellen auf. 1285 war die Markterhebung bereits vollzogen und 1382 wurde ein Richter in Wagrain genannt. Nach dem Aussterben des Ministerialengeschlechts der Goldegger im Jahre 1400 wurde die Siedlung 1459 landesfürstlich und zu einem eigenen Landgericht erhoben.

    Die Lehre Luthers drang bereits kurze Zeit nach dessen Thesenanschlag in die Gebirgstäler Salzburgs vor. Bereits 1524 wurde das erste Verbot der neuen Lehre durch die Landeskirchenversammlung erlassen. Harte Bestrafungen und Landesverweisungen folgten auch während und nach der Zeit der Bauern-kriege. Unter Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian (1727-1744) kam es zu gezielten Maßnahmen gegen den offen auftretenden Protestantismus: Durch seinen Emigrationserlass mussten 1731/32 die Protestanten das Land verlassen.

    Rund drei Viertel der in Wagrain Ansässigen mussten auswandern. Sie gingen vor allem nach Ostpreußen, Holland und Amerika. Dies hatte eine nachhaltige Wirkung auf die weitere Entwicklung von Wagrain: Erst 230 Jahre später wurde die Bevölkerungszahl von vor der Vertreibung wieder überschritten.

    Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die Wagrainer hauptsächlich vom Bergbau, der Landwirtschaft und vom Fuhrwerksverkehr sowie von unzähligen Säumerkarawanen, von denen die lokalen Kaufleute und Wirte profitierten.

    Mit dem Bau der Eisenbahn durch das Gasteinertal Anfang des 20. Jahrhun-derts wurde diese Verdienstmöglichkeit jedoch sehr stark eingeschränkt, der Ort verarmte.

    1927 zerstörte ein verheerender Brand einen großen Teil der Gebäude um den Marktplatz. Dies verschärfte die Not der Ortsbewohner weiter. Drei Männer – Karl Heinrich Waggerl, Josef Reisenberger und Linus Hochleitner – setzten auf die Förderung des Fremdenverkehrs und taten alles in ihrer Kraft Stehende, ihn zu fördern.

    Die Ruhe und Abgeschiedenheit des Ortes lockte sodann immer mehr Erholungssuchende nach Wagrain. Bis 1937 kamen die Gäste aus ganz Europa und sogar aus Übersee.

    Die Einführung der 1000 Mark-Sperre 1933 traf den Ort empfindlich, so durften deutsche Staatsbürger Österreich nur mehr nach Zahlung von 1000 Reichs-mark betreten.

    Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erholte sich der Tourismus wieder. Schon 1949 wurde der erste Berglift errichtet und somit der Grundstein für den Tourismusort Wagrain gelegt.

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    K. H. Waggerl über Wagrain:
    „Ein geheimer Zauber muß wohl über diesem Dorf liegen.
    Leute von weither ließen plötzlich alles hinter sich und wurden hier seßhaft – nicht als heilige Einsiedler, versteht sich, sondern einfach, weil das Leben hier ein Geschäft ist, für das man sich Zeit lassen muß."